14.03.2008 Handelsblatt (Germany), Russland lockt Investoren
Das größte Land der Welt stampft neue Städte aus dem Boden – Markteintritt schwierig
ANNE WIKTORIN | CANNES
Veniamin Golubitsky ist auch in diesem Jahr aus Moskau an die Cote d’Azur gereist. Und wie schon 2007, so hat der Präsident der Renova Stroygroup wieder ein Projekt von beeindruckenden Ausmaßen im Gepäck, für das er auf der Immobilienmesse in Cannes Investoren und Partner sucht. „Sunny Valley“ heißt das Projekt, dessen Investitionssumme Golubitsky auf neun Mrd. Dollar beziffert. In Tscheljabinsk, einer Industriestadt im südlichen Ural mit heute 1,9 Mill. Einwohnern, soll in den kommenden Jahren eine „Sputnik-Stadt“ entstehen – eine Trabantensiedlung auf einer Fläche von 2 000 Hektar im Norden der Metropole. Davon werden 1 200 Hektar bebaut: mit Häusern und Wohnungen für 120 000 Menschen; dazu kommen etwa eine Mill. Quadratmeter (qm) Fläche für Büros, Hotels und Freizeiteinrichtungen.
Gemessen am Projekt „Akademia“, das auf der Mipim im vergangenen Jahr offiziell vorgestellt worden war, ist Tscheljabinsk ein kleiner Fisch. In Jekaterinburg, Hauptstadt der Region Swerdlowsk, der größten Industrieregion Russlands, plant das Unternehmen auf 13,2 Mill. qm eine Stadt für 325 000 Menschen – mit einem Investitionsvolumen von 28 Mrd. Dollar das größte Stadtentwicklungsprojekt des Landes, das bis 2025 abgeschlossen sein soll.
Lukrative Shoppingcenter
„Oftmals sind die Innenstädte in Russland infrastrukturell in keinem guten Zustand“, begründet Golubitsky den Bau der riesiger Trabantenstädte. Wasser- und Stromversorgung seien dort ein Problem; entsprechend gefragt seien moderne Wohnungen an Standorten mit funktionierender technischer Infrastruktur. „Für die russische Regierung haben solche Projekte daher hohe Priorität“, sagt der Entwickler. An beiden Vorhaben beteiligt sich deshalb die öffentliche Hand auch finanziell: etwa 15 Prozent der Kosten für nfrastruktur deckt die öffentliche Hand ab, hinzu kommen Kreditbürgschaften. In Cannes will man mit internationalen Partnern ins Gespräch kommen, die auch bereit sind, mit Eigenkapital ins Risiko zu gehen. Golubitsky ist optimistisch, diese an der Cote d'Azur zu finden: „Wir sind Teil eines großen Unternehmens, das seit vielen Jahren strategische Partnerschaften mit internationalen Investoren betreibt.“
„Russland ruft“, meint auch der deutsche Shoppingcenter-Entwickler und -betreiber ECE. In Cannes präsentierten die Hamburger ihr erstes Projekt im größten Land der Welt. Feierlich enthüllten Geschäftsführer. Alexander Otto und der Bürgermeister der Stadt Jaroslawl, Viktor Volonchunas, ein Modell der „Golden Ring Gallery“ in der Innenstadt. Zur 1 000-Jahr- Feier der etwa 250 Kilometer nördlich von Moskau gelegenen Stadt soll das Einkaufszentrum 2010 fertiggestellt sein.
Tatsächlich steht die zunehmende Bedeutung Russlands für Immobilieninvestoren außer Frage – und einige wagen bereits erste Schritte ins Land. Gemeinsam mit drei Partnern, darunter der Chicagoer Immobilieninvestor Heitman, hat GE Real Estate einen Fonds aufgelegt, der rund 150 Mill. Dollar Eigenkapital in russische Industrie- Immobilien und Shoppingcenter investieren will. Aber, räumt GE-Capital-Europachef Olivier Piani ein: „Der Markteinstieg in Russland ist nicht leicht.“ Selbst deutsche offene Fonds blicken bereits nach Russland – und dort vor allem nach Moskau: „Investments in Russland sind aus steuerlichen Gründen noch schwierig, grundsätzlich können wir uns aber durchaus vorstellen, in Moskau zu investieren“, sagt Rreef-Geschäftsführer Holger Naumann. Die von Pricewaterhouse-Coopers gemeinsam mit dem britischen Urban Land Institute (ULI) in Cannes veröffentlichte Prognose zu den kommenden Trends auf den europäischen Immobilienmärkten gibt ihm recht: Moskau sei der Spitzenreiter unter den Top-Immobilienmärkten Europas, meinten die 500 Befragten der Studie.
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